Wie das Alltagsleben im Nibelungenhaus aussieht
Küche in Perfektzustand

Wie das Alltagsleben im Nibelungenhaus aussieht

Über zwanzig Leute unter einem Dach, eine Küche für acht und trotzdem selten Chaos: Ein Einblick in den Alltag im Nibelungenhaus, vom Putzplan über spontane Kartenabende bis zum Pool im Garten.

Wer hört, dass über zehn Leute unter einem Dach wohnen, denkt zuerst an Chaos. Volle Küchen, liegen gebliebenes Geschirr, Nachbarn, die sich aus dem Weg gehen. Im Nibelungenhaus, unserem Verbindungshaus in Darmstadt, sieht der Alltag anders aus, und das liegt vor allem daran, dass sich niemand aus dem Weg geht.

Wer hier wohnt

In der ersten Etage liegen acht Zimmer, verteilt auf zwei Flügel mit je vier Zimmern und einem eigenen Bad. Die Küche dafür liegt eine Etage tiefer und wird von allen acht Bewohnern geteilt. Im zweiten Stockwerk liegen drei Hausmeisterzimmer mit eigener Küche und eigenem Bad. Verglichen mit einer klassischen Wohngemeinschaft ist das deutlich mehr Publikum unter einem Dach, und trotzdem ist die Miete niedriger, als man bei einem Haus dieser Größe erwarten würde.

Wer hier einzieht, trifft auf entsprechend viele unterschiedliche Interessen. Der eine sitzt lieber am Billardtisch, der andere im Trainingsraum, der nächste vor dem Fernseher im Wohnzimmer. Bei so vielen Bewohnern mit so unterschiedlichen Vorlieben findet sich fast immer jemand, mit dem man sich versteht, ohne lange danach suchen zu müssen.

Wie sich das Haus selbst organisiert

Kein Haus mit so vielen Bewohnern funktioniert von allein. Dafür gibt es die Hausmeister, drei Studenten, die wie alle anderen im Haus wohnen, aber zusätzlich ein paar feste Aufgaben übernehmen: Sie kümmern sich um den Rasen, reparieren, was im Haus kaputtgeht, und organisieren das wöchentliche Putzen ebenso wie das Aufräumen nach Veranstaltungen.

Für die Küche im Erdgeschoss läuft zusätzlich ein Putzplan unter den acht Bewohnern. Das klingt nach Verwaltung, ist im Alltag aber selten ein Thema. Wenn doch, dann meist an derselben Stelle: Jemand hat den Müll nicht rausgebracht oder das Putzen verpasst, und weil sich eine Küche eben doch mehrere Personen teilen, fällt das auf.

Diese kleinen Reibereien gehören zum Hausleben dazu. Wer erwartet, dass so viele Leute nie aneinander geraten, wird enttäuscht. Wer erwartet, dass daraus ständig Streit wird, wird überrascht sein.

Ein typischer Abend

Der Alltag zeigt sich nicht im Putzplan, sondern in den Abenden dazwischen. Es klopft an der Tür, jemand fragt, ob man Karten spielen oder einen Film schauen will. Meistens kommen im Lauf des Abends noch zwei, drei weitere Leute dazu, irgendwann wird gemeinsam eine Pizza bestellt, es wird geredet und gelacht, und aus einer spontanen Frage an der Tür ist ein ganzer Abend geworden.

Genau so lernt man im Haus die Leute kennen, mit denen man sich versteht, oft schneller als in einer WG, weil man sich nicht erst verabreden muss.

Manchmal beginnt so ein Abend auch in der Küche. Es gibt im Haus ein paar echte Kochtalente, und wer selbst etwas dazulernen will, muss nicht lange fragen. Aus einem "das will ich auch können" wird schnell eine Verabredung für die nächsten Tage, gemeinsam kochen, gemeinsam essen, und am Ende hat man nicht nur ein neues Rezept gelernt, sondern auch wieder einen Abend zusammen verbracht.

Was das Haus zu bieten hat

Für solche Abende fehlt es nicht an Möglichkeiten. Im großen Wohnzimmer mit Fernseher trifft man sich zum Filmabend, im Keller stehen Billardtisch und Tischkicker für die schnelle Partie zwischendurch, und ein kleiner Trainingsraum mit Sportgeräten ersetzt für viele das Fitnessstudio um die Ecke.

Im Sommer verlagert sich das Haus nach draußen: Der große Garten mit Pool wird dann zum eigentlichen Mittelpunkt, an dem sich schnell mehr Leute versammeln, als eigentlich geplant war.

Nicht jeder Raum im Haus ist zum Feiern da. Im Lernzimmer wird zusammen gelernt, und wer im richtigen Moment fragt, findet dort auch schnell Unterstützung. Mit etwas Glück wohnt sogar jemand im Haus, der dasselbe oder ein ähnliches Fach studiert, und aus zwei Leuten am selben Tisch wird eine feste Lerngruppe.

Die ehrliche Einschränkung

Wer Ruhe und Rückzug sucht, kann die auch im Nibelungenhaus finden, aber es braucht dafür etwas mehr Eingewöhnung als anderswo. Wie leicht einem das fällt, hängt stark davon ab, wie man sich einlebt.

So viele Menschen im selben Haus bedeuten auch, dass man sich abstimmt und aufeinander Rücksicht nimmt, gerade in der Küche. Das ist kein Nebensatz, sondern der Preis dafür, dass man selten allein ist, wenn man es nicht sein will.

Genau darin liegt der Unterschied zu den meisten Wohnformen im Studium.

Im Nibelungenhaus wohnt man nicht nebeneinander, sondern miteinander, mit allem, was dazugehört: dem Putzplan und den Abenden, an denen aus einem Klopfen an der Tür ein Kartenabend für sieben wird.