Deine erste Woche im Nibelungenhaus
Eingangsflur des Hauses

Deine erste Woche im Nibelungenhaus

Ein Zimmer in Darmstadt findest du auch ohne uns. Schwieriger ist die Woche danach: fremde Stadt, leere Wände, niemand, den du fragen kannst. So kann eine erste Woche im Nibelungenhaus aussehen, vom Kistenschleppen bis zum ersten Abend, an dem nichts geplant war.

Du stehst mit zwei Reiserucksäcken in einer Stadt, in der du niemanden kennst, die Vorlesungen haben noch nicht angefangen, und die einzige Person, mit der du an diesem Tag gesprochen hast, war der DB Begleiter im Regionalbahn nach Darmstadt. Diese Woche lässt sich nicht überspringen. Sie lässt sich aber sehr unterschiedlich verbringen. Wie sie im Nibelungenhaus aussieht, unserem Verbindungshaus in Darmstadt, erzählen wir dir hier:

Du ziehst ein

Dein Zimmer ist leer, hat 15 Quadratmeter und riecht nach frischer Farbe. Du stellst die Rucksäcke ab und überlegst, wo deine erste Pflanze hin soll. Zwanzig Minuten später steht jemand in der Tür, den du noch nie gesehen hast, und fragt, ob du schon dein Küchenfach gefunden hast oder ob du sonst irgendwie Hilfe brauchst.

Die Stadt in drei Tagen statt drei Monaten

Am zweiten Tag musst du dich ummelden. Das geht beim Bürgerbüro und sollte innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug passieren. Jemand im Haus hat das vor zwei Jahren gemacht, weiß, welches Formular du vorher ausfüllst und dass du die Wohnungsgeberbestätigung brauchst. Diese Auskunft dauert zwei Minuten und spart dir einen verlorenen Vormittag.

Der Rest der Woche funktioniert genauso. Welcher Supermarkt auf dem Rückweg von der Uni liegt und welcher der billigere ist. Wo du abends um zehn noch etwas zu essen bekommst. Wie lange du mit dem Rad zum Campus Lichtwiese brauchst und warum der Weg über die Nebenstraße schneller ist als der offensichtliche. Nichts davon ist weltbewegend. Zusammen ist es der Unterschied zwischen einem Semester Suchen und einer Woche Fragen.

Der Flur weiß mehr als jedes Forum

Am vierten Tag sitzt du vor TUCaN, dem Anmeldesystem der TU, und findest die Übungsgruppe nicht, die du brauchst. Du gehst eine Tür weiter. Dort wohnt jemand im siebten Semester, der dieselbe Vorlesung hinter sich hat, dir zeigt, wo die Anmeldung versteckt ist, und nebenbei erwähnt, dass die Klausur im Vorjahr vor allem aus zwei Aufgabentypen bestand.

Bei uns wohnen Studierende aus verschiedenen Fachbereichen, vom ersten Semester bis kurz vor dem Abschluss. Dazu kommen Mitglieder, die längst im Beruf sind und regelmäßig im Haus auftauchen. Wenn du in zwei Jahren ein Praktikum suchst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass am Tisch jemand sitzt, der in der Branche arbeitet. In einer normalen WG ist das Zufall. Hier ist es der Normalfall.

Ein Abend, den du nicht organisieren musst

Am Donnerstag ist meistens Stammtisch. Du musst nichts vorbereiten, nichts mitbringen und niemanden anschreiben, damit etwas zustande kommt. Du gehst die Treppe runter und bist dabei. In derselben Woche fährt vielleicht jemand spontan ins Kino und fragt in die Küche hinein, wer mitkommt.

Genau hier liegt der Unterschied zu den meisten anderen Wohnformen. In einem Wohnheim wohnst du neben Leuten, in einer WG mit zwei oder drei. Kontakte entstehen, wenn du sie aktiv suchst. Bei uns wohnst du mit Freunden, und du entscheidest nur, ob du dazukommst.

Für wen das nichts ist

Wenn du nach einem Tag Vorlesung niemanden mehr sehen willst, ist ein Haus mit gemeinsamer Küche anstrengend. Wer seine Ruhe als Grundzustand braucht und Gemeinschaft nur in kleinen Dosen verträgt, wohnt anderswo besser.

Und eine Verbindung ist mehr als eine Wohnadresse: Wir sind katholisch, wir sind nichtschlagend, bei uns wird also nicht gefochten, und wir erwarten, dass du dich einbringst.